Zwei Radfahrerinnen im Iran
Zwei Frauen allein auf dem Fahrrad: Immer ein Grund, um für ein Selfie anzuhalten. (Bild: Claudia Langenegger)

Zwei Radfahrerinnen im Iran

Die letzte Etappe im Iran habe ich in weiblicher Begleitung absolviert. Das hat mir ein neues Fahrgefühl und viele tolle Begegnungen beschert.

Mit Bildern von Claudia Langenegger

Die letzten beiden Wochen hat mich Claudia Langenegger, eine Freundin aus der Schweiz, begleitet. Wir sind gemeinsam rund 1000 Kilometer von Teheran nach Mashad geradelt. Okay, die letzten 140 Kilometer haben wir mit dem Bus zurückgelegt, weil es wie aus Kübeln geschüttet hat – und wir so gleichzeitig das Radfahren in der Agglomeration der 3-Millionen-Stadt vermeiden konnten.

Dass zwei Frauen ohne männliche Begleitung auf dem Fahrrad unterwegs sind, ist für Iraner ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Darum wurden wir oft noch frenetischer begrüsst, als ich es mir von der Zeit mit Sina schon gewohnt war. Es verging kein einzelner Tag, an dem nicht ein Auto stoppte und seine Insassen uns Früchte, Tee oder sonst was anboten. Frauen machten grosse Augen, winkten überschwänglich und hielten den Daumen hoch, wenn sie uns sahen. Manche bedankten sich sogar. Und natürlich waren viele besorgt um uns.

Hasan und seine Frau Machdie halten auf dem Pannenstreifen und bieten uns Tee an. Zudem verbringe ich gerade meine letzten Tage im Iran im ihren Haus in Mashad. (Bild: Andrea Freiermuth)
Hasan und seine Frau Machdie halten auf dem Pannenstreifen und bieten uns Tee an. Und übrigens: Ich verbringe gerade meine letzten Tage im Iran im ihren Haus in Mashad. (Bild: Andrea Freiermuth)

Es ist immer etwas schwierig, wenn Einheimische vor Gefahren warnen. Sind das übertriebene Ängste oder ist tatsächlich was dran? Einmal waren wir auf einer schönen Nebenstrasse als zwei Autos stoppten und die Leute darin wie wild auf uns einredeten. Sie wollten uns warnen, aber vor was? Schliesslich wurde mir ein Handy gereicht und ich konnte mit einer gewissen Birthe reden, einer Deutschen, die in der Region wohnte und uns natürlich gleich zu sich einlud. Leider konnten wir die Einladung nicht annehmen, da wir bereits verabredet waren. Birthe meinte dann aber zu unserer Beruhigung, die Strasse sei kein Problem. Es gehe bloss etwas rauf und runter, was wir dank Komoot natürlich schon wussten.

Da es im Iran schon Übergriffe auf solo Radfahrerinnen gab, wagte ich mich allein nicht auf ruhige Nebenstrassen. Mit Claudia machte ich mir hier weniger Sorgen. Wir hatten bloss einmal eine etwas unangenehme Begegnung mit zwei Teenagern auf einem Motorrad. Sie fuhren an uns vorbei, machten kehrt und überholten uns nochmals. Dabei schlug der Junge auf dem Rücksitz Claudia mit der Hand auf den Hintern. Das war nicht gefährlich, aber schon sehr ärgerlich, weil klar eine Grenzüberschreitung. Vor allem wenn man bedenkt, dass viele Männer in diesem Land nicht mal die Hände einer fremden Frau schütteln, weil sie nur ihre Ehefrau berühren sollten.

Die Nebenstrasse war die richtige Entscheidung: Zum Abschluss ein paar schöne Serpentinen. (Bild: Andrea Freiermuth)
Die Nebenstrasse war die richtige Entscheidung: Zum Abschluss ein paar schöne Serpentinen. (Bild: Andrea Freiermuth)

Auf der ganzen Welt sind Teenager dafür bekannt, dass sie gerne gegen Regeln verstossen. Zudem hat eine Freundin von mir beim Velofahren in der Schweiz auch schon mal einen Klaps auf den Hintern erhalten. Einige Einheimische meinen allerdings, dass junge iranische Männer allgemein ein Problem hätten, sich Frauen adäquat zu nähern, da Knaben und Mädchen während der ganzen Schulzeit getrennt von einer andern sind.

So oder so: Der Vorfall hat uns nicht nachhaltig verunsichert. Wir waren nach dieser Begegnung aber darauf bedacht alle Töfflibuben, die wegen uns umdrehten, immer schön zu grüssen – als klares Signal, dass man mit uns auch einfach bloss reden kann.

Die Schatten werden bereits um 3 Uhr nachmittags lang. (Bild Claudia Langenegger)
Die Schatten werden bereits um 3 Uhr nachmittags lang. (Bild Claudia Langenegger)

Viel mehr Sorgen mache ich mir derzeit wegen der Witterung und der kürzer werdenden Tage. Ich befinde mich derzeit am östlichsten Zipfel vom Iran, in Mashad, auf rund 1000 Meter über Meer. Morgens um 6.30 Uhr, wenn die Sonne aufgeht, ist es bitter kalt, heute sogar mit Frost auf dem Boden. Und die Sonne verabschiedet sich bereits um 16.16 Uhr.

Da ich ausserhalb Mitteleuropas aus Prinzip nur bei Tageslicht radle, muss ich meine Etappen besser planen als zuvor. Zudem möchte ich nach Möglichkeit nicht mehr campen, da die Nacht im Zelt unendlich lang wird und ich ab Mashad nun auch definitiv allein unterwegs bin. Der Vorteil: Ich muss jetzt auf niemanden mehr warten, sondern kann stets Maximaltempo fahren.

Das ist auch nötig, denn die rund 600 Kilometer durch Turkmenistan bis Bukhara in Usbekistan muss ich in fünf Tagen absolvieren, da mein Transit-Visa nur so lange gültig ist. Während dieser Zeit, werde ich auch zum ersten Mal komplett offline sein, da man in Turkmenistan nicht so einfach ins Internet kommt.

Endlich läuft mal was im Dorf: Zwei Touristinnen auf Fahrrädern – diese Kinder haben sowas wohl noch nie gesehen. (Bild: Andrea Freiermuth)
Endlich läuft mal was im Dorf: Zwei Touristinnen auf Fahrrädern – diese Kinder haben sowas wohl noch nie gesehen. (Bild: Andrea Freiermuth)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Weiterhin eine gute Radreise! Danke für diesen Beitrag, gut zu wissen das ihr wohlauf seit und wo ihr euch gerade befindet. Verfolge mit Interesse diese Veloreise.

    Herzlichst Otto

  2. Schön von dir zu hören! Weiterhin alles Gute!

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