Eine schicksalhafte Begegnung
Yogi Peter Sat Hari ist mein neuer Guru: «Es war Zeit loszulassen. Alles wird sich klären.»

Eine schicksalhafte Begegnung

Noch zwei Wochen bis zur Abreise und dann das: Am vergangenen Wochenende habe ich eine Zecke an meinem Knöchel entdeckt. Festgebissen. Ich glaube sogar zu wissen, wo ich den Mistkerl aufgefangen habe, beim Biken auf einem Singeltrail am Waldrand, von hohem Gras gesäumt. Wir haben ihn gewählt, weil ich den anderen, den schwierigeren vermeiden wollte – einfach nicht noch kurz vor der Abreise stürzen. Natürlich fühle ich mich seither schwindlig und müde. Gliederschmerzen hatte ich schon am Tag zuvor, aber in diesem Fall müsste das fiese Viech von Kater Fidel ins Bett geschleppt worden sein, denn im Wald war ich in den Tagen zuvor nicht.

Will das Schicksal nicht, dass ich losfahre? Weil ich mich wegen Verdacht auf Borreliose bald einer mehrwöchigen Antibiotikakur unterziehen muss? Oder weil ich demnächst mit Hirnhautentzündung auf der Intensivstation liege?

Schwindlig vor Angst

Okay, ich weiss, dass ich jetzt am Hypern bin. Wenn mich schon eine heimische Zecke so aus der Fassung bringt, wie ist das erst bei der Japanischen Enzephalitis? Seit ich im Zentrum für Reisemedizin war, weiss ich, dass die in China auf mich lauert, ein Virus, der durch Mücken der Gattung Culex übertragen wird – ganz zu schweigen von den tollwütigen Hunden, die mich auf den 12 000 Kilometern bis in den Fernen Osten alle anfallen könnten. Gegen Tollwut bin ich nun zwar geimpft. Das heisst aber bloss, dass ich nicht sofort sterbe, sondern nur, wenn ich innerhalb von 24 Stunden keine weiteren Shots erhalte. Tollwut ist wirklich böse.

Vielleicht ist der Schwindel auch pure Angst. Angst vor dem Loslassen, dem Aufbrechen, dem Ungewissen.
Ich war bis vor kurzem Redaktorin beim Migros-Magazin und hatte damit einen für meine Branche relativ sicheren Job bei einer super Arbeitgeberin. Nun stürze ich mich in ein Abenteuer. Gebe alle Sicherheiten auf. Bin irgendwie im luftleeren Raum. Würde ich wegen Borreliose invalide, würde ich bei der Sozialhilfe landen, denn ich habe gekündigt und da ist kein Arbeitgeber mehr mit grosszügigen Sozialleistungen.

Vielleicht hat mir das Schicksal eine Zecke geschickt, die mein Projekt stoppt, bevor es beginnt. Aber nein: Ich glaube nicht ans Schicksal. Oder manchmal vielleicht doch ein wenig?

Gesamtkunstwerk Yogi Peter Sat Hari

Am vergangenen Wochenende hat sich ein heimtückischer Blutsauger an mir festgebissen. Aber es ist noch etwas anderes passiert: Auf dem Campingplatz Sutz in Biel bin ich Yogi Peter Sat Hari begegnet. Ich habe eigentlich nichts mit Yoga am Helm. Aber so ein Bart mit Turban, getragen von einem 62-jährigen Deutschen, der sein Leben mit dem Dehnen und Fordern seines Körpers verbracht hat, ist schon beeindruckend. Zudem fährt Peter ein Alu-Rennrad der Marke Vitus aus den 70er-Jahren.

Die Begegnung mit dem Yogi war wohl eine kosmische Fügung. Er gab mir seinen spirituellen Segen mit auf den Weg: «Es war Zeit loszulassen. Ein neues Fenster wird sich für dich öffnen. Deine Ängste werden sich lösen – und alles wird sich klären.»

Das Alu-Rennrad von Yogi Peter ist fast so alt wie er selber.
Das Alu-Rennrad von Yogi Peter ist fast so alt wie er selbst.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Kei Panik Dresi. Es chunnt guet! Echli Angscht vorem Neuie isch ganz normal…….

  2. Nur Mut Andrea – sobald du einmal on the road bist, verflüchtigen sich auch die klammen Ängste. (Und zum Zeckenbiss: Die Statistik zeigt, dass die meisten dieser miesen Viecher keine Seuchen in sich tragen und also auch nicht weitergeben. Hatte grad auch so einen kleinen Beisser am Fussgelenk, habe mich durch einen Fakten-Check dann beruhigt und seitdem ist das Kopfweh verschwunden.)

  3. Wünsche Dir von ganzen Herzen gute Genesung.

    Herzliche Grüße

    Otto

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