Hühnerfüsse in Shanghai
Anti-Aging auf Chinesisch: Hühnerfüsse zum Abendbrot. (Bild: Andrea Freiermuth)

Hühnerfüsse in Shanghai

In Shanghai kann selbst ich alte Tante noch staunen – und das nicht nur, weil ich während der ersten Tage an der Schule etwas Lost in Translation war.

Da bin ich nun also, in Shanghai. Meine erste Woche war super anstrengend. Am Montagmorgen wurde ich in der LTL Mandarin School einer Kleinstklasse mit zwei Mittzwanzigern zugeteilt. Die beiden sind schon seit fünf Wochen am Chinesisch-Lernen, und ich verstand erst mal nur Bahnhof. Am Mittwoch wechselte ich den Kurs und schloss mich zwei 18-Jährigen an, die erst seit drei Wochen da sind.

Wo ist meine Klasse?

Schon bei Lektion 14: Mit zwei cleveren 18-Jährigen in der Klasse. (Bild: Andrea Freiermuth)
Schon bei Lektion 14: Mit zwei cleveren 18-Jährigen in der Klasse. (Bild: Andrea Freiermuth)

Ich dachte, da könnte ich mit meinen drei Semestern Migros-Klubschule locker mithalten. Aber das fühlte sich an wie vom Regen in die Traufe, oder besser gesagt vom Unterricht für Fortgeschrittene in die Schule für Hochbegabte. Die beiden kommen frisch ab Gymnasium, und der eine Teil des Duos hatte doch tatsächlich eine Abiturklasse für besonders Clevere besucht. Seit heute ist zum Glück eine Holländerin da, die wie ich ein paar Vorkenntnisse hat, aber sich auch erst mit dem neuen Lernmittel vertraut machen und ein paar Grundlagen repetieren muss.

Der Neid der alten Schachtel

Derzeit hat es bloss ein Dutzend Studenten an der Schule. Und man ahnt es: Ich bin mit meinen 46 Jahren eine alte Schachtel im Vergleich zu meinen Mitschülern.

Mit ein wenig Neid höre ich ihnen zu, wenn sie von ihren Zukunftsplänen erzählen. Gerne würde ich nochmals so jung sein. Nicht unbedingt, um nochmals ganz am Anfang meines Berufslebens zu stehen, aber sicher um die Welt noch einmal neu zu entdecken. Das erste Mal allein ins Ausland reisen! Das erste Mal weg vom Elternhaus leben? Das erste Mal in einer internationalen Gemeinschaft Party machen!

Shanghai ist wie noch einmal Kindsein

Shanghai by night: Ein Lichtspektakel aus dem 118 Stock des Shanghai Towers. (Bild: Andrea Freiermuth)
Shanghai by night: Ein Lichtspektakel aus dem 118 Stock des Shanghai Towers. (Bild: Andrea Freiermuth)

Mein Trost ist: In China staune selbst ich alte Tante zuweilen wie ein Kind. Downtown Shanghai mit seinen Wolkenkratzern mutet unglaublich futuristisch an. Der Shanghai Tower ist mit 623 Metern das zweitgrösste Gebäude der Welt. In den 118. Stock gelangt man innerhalb von 55 Sekunden mit dem schnellsten Lift des Planeten. Der ganze Turm soll aufgrund seiner Form und Hülle besonders energiesparend sein. Und kommt die Nacht, beginnt das Spektakel: Viele Hochhäuser sind nachts beleuchtet wie riesige Tannenbäume, über die rhythmische Lichtschauer regnen. Völlig abgefahren. Überhaupt scheint hier irgendwie alles moderner zu sein. So zahlt praktisch niemand mehr mit Bargeld, sondern nur noch via Smartphone. Schlüssel sind offensichtlich auch von gestern: In die Wohnung meiner Gastfamilie komme ich jeweils mit einem Badge und in die Schule mit einem Code.

Hühnerfüsse als Anti-Aging

Geschmorte Hühnerfüsse: Die fünfjährige Coco schmollt, wahrscheinlich weil sie noch warten muss, bis sie zugreifen darf. (Bild: Andrea Freiermuth)
Die fünfjährige Coco muss sich zusammenreissen: Zu gerne würde sie schon in die Schüssel mit den Hühnerfüssen greifen. Das Kind kennt wohl ET noch nicht. (Bild: Andrea Freiermuth)

Auch beim Essen staune ich immer wieder. Vorgestern hat mir meine Gastmutter Fairy (40) mit strahlenden Augen Hühnerfüsse vorgesetzt. Ein besonderer Leckerbissen: Sie sollen viel Kollagen enthalten und daher als natürliches Anti-Aging wirken. Es hat etwas Überwindung gekostet hineinzubeissen. Denn die Dinger sehen aus wie die Hände von ET. Die Fingerchen haben dann aber gar nicht so übel gemundet. Nur beim Frühstück habe ich Veto ergriffen. Am ersten Morgen gabs Teigtaschen mit Hackfleisch, am zweiten Reisschleim, und für den dritten plante Fairy Pizza und meinte wohl, sie würde mir damit eine besondere Freude machen. So oder so: Ich mache mir nun jeweils Toast und esse eine Frucht dazu. Das mit dem chinesischen Frühstück kommt noch früh genug, spätestens in neun Wochen, wenn ich wieder auf dem Fahrrad bin.

 

Meine Gastmutter Fairy meint es gut mit mir: Sie will mir mit Pizza eine Freude machen, zum Frühstück. (Bild: Andrea Freiermuth)
Meine Gastmutter Fairy meint es gut mit mir: Sie will mir mit Pizza eine Freude machen, zum Frühstück. (Bild: Andrea Freiermuth)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Hallo, Ich finde es interessant Dich auf diesem Weg auf Deiner Reise zu begleiten, danke, dass Du dies ermöglichst. Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Chinesisch lernen. Kann mir vorstellen, dass dies keine einfache Sache ist! Viele Grüsse aus dem Wallis. Beate

  2. Hallo Andrea,

    Danke das du dich wieder meldest. Habe schon deine Berichte vermisst.

    Ca.10.000 km hast du bisher mit deinem Velo gefahren. Herzlichen Glückwunsch für diese „aufregende“ Leistung!

    Jetzt in China- eine ganz andere Welt mit ihren Gegensätzen.

    Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch(Erich Kästner).

    Viel Freude in China!

    Grüße aus dem kalten Deutschland

    Otto

  3. Schön wieder von dir zu hören. Sicher sehr interessant bei einer Gastfamilie wohnen zu können und so diese Kultur autentisch erleben zu können.
    Hast du bereits neue Akkus für dein E-Bike kaufen können? Sind E-Bikes in China vergleichbar mit denen in Europa, preislich, Ausstattung? Habe mir überlegt, ob ich eines in China kaufen soll und mit diesem durch Asien zu reisen.
    Bin gespannt auf weitere insider Berichte aus China.
    Vielen Dank dass wir an deiner Reise teilhaben können.

    Liebe Grüsse

    René

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