Stress mit Visaworld
Nach dem dritten Besuch der iranischen Botschaft in Jerevan habe ich mein Visum endlich in der Hand. (Bild: Andrea Freiermuth)

Stress mit Visaworld

Ich wollte meine Nerven schonen und habe mich darum entschlossen, mein Iran-Visum via der Agentur Visaworld einzuholen – und habe damit viel Zeit und Geld verschwendet.

Vor meiner Abreise beauftragte ich die Agentur Visaworld das Visum für meinen Iranaufenthalt einzuholen, für insgesamt 250 Franken. Das Visum für den Iran ist nach Ausstellung maximal drei Monate gültig und darum wusste ich, dass ich es mir nicht selber in der Schweiz würde ausstellen lassen können.

Die Alternative zur Agentur wären Botschaftsgänge in Istanbul oder Jerewan gewesen. Das schien mir damals aber zu unsicher, weil ich mit meinen wechselnden Reisepartnern fixe Daten vereinbart hatte.

Für Extraspesen extra viel Stress

Ich wollte Wartetage und Ungewissheit in Sachen Visa vermeiden und habe mich darum für die Option Agentur entschieden, obwohl sie viel teurer ist. Den Ärger, den ich mir mit Visaworld eingehandelt habe, übertrifft aber alles, was ich befürchtet hatte.

Obwohl ich im Begleitschreiben mein Einreisedatum in den Iran fett markiert hatte, stellte mir die Agentur das Visum auf ein zu frühes Datum aus. Man entschuldigte sich damit, dass der Fehler auf der Botschaft passiert sei.

So oder so: Mein Reisepartner Martin, der ab der Türkei mit dabei war, konnte mir meinen Pass also nicht wie abgesprochen nach Istanbul mitbringen. Ich vereinbarte mit der Agentur, dass sie mir ein neues, gültiges Visum ausstellen und mir den Pass anschliessend per DHL in die Türkei schicken würden.

Amateurhaftes Vorgehen bei Visaworld

Rund einen Monat später, hatte ich meinen Pass noch immer nicht in der Hand. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich alle Grenzübergänge mit der Identitätskarte passiert. In Georgien, das wusste ich, würde das nicht mehr funktionieren.

Allmählich hatte ich das Gefühl, am Luzerner Sitz der Agentur seien Amateure am Werk.

Für den Iran muss man eine so genannte Referenznummer beantragen. Hat man die, haben die Behörden grünes Licht gegeben und die Ausstellung des Visums auf der Botschaft ist eigentlich nur noch eine Formsache.

In Luzern meinte man, dass meine Referenznummer, die für das erste für mich unbrauchbare Visum beantragte wurde, noch gültig sei. War sie dann aber nicht. Darum musste das ganze Dossier nochmals eingereicht werden. Es verging weitere wertvolle Zeit.

Ohne Pass vor der georgischen Grenze

Ich hoffte derweil, dass wenn ich zwei Tage vor der georgischen Grenze warten würde, hätte ich mein Visum für den Iran dann doch noch in der Hand. Dem war aber nicht so: Die Botschaft in Bern weigerte sich, mir ein neues Visum auszustellen, solange das erste noch gültig war. Ich fragte mich, warum Visaworld das nicht früher wusste…

Vor dem DHL-Büro in Trabzon: Endlich habe ich meinen Pass wieder in der Hand. (Bild: Andrea Freiermuth)
Vor dem DHL-Büro in Trabzon: Endlich habe ich meinen Pass wieder. (Bild: Andrea Freiermuth)

Weil ich meinen Pass brauchte, schickte mir die Agentur das Dokument dann ohne das gewünschte Visum zu und ich konnte wenigstens weiterreisen. In Jerewan ging ich mit der Referenznummer auf die iranische Botschaft, musste drei Tage warten und nochmals 60 Franken bezahlen.

Eine Woche hinter Zeitplan

Das Ganze hat meinen Zeitplan um eine Woche verschoben. Sina, mein neuer Reisepartner, mit dem ich von Jerewan bis über die iranische Grenze fahren wollte, hat die armenische Hauptstadt drei Tage vor mir verlassen. Er muss zu einem bestimmten Datum zurück in seinem Land sein. Ansonsten erhält er die Kaution von 13 Monatsgehältern nicht zurück, die er vorgängig einbezahlen musste.

In der Zwischenzeit habe ich ihn wieder eingeholt, aber auch der Herbst ist jetzt da. Momentan sind wir in Kapan wegen schlechtem Wetter blockiert, da der nächste Pass auf rund 2500 Meter über Meer liegt – und es da jetzt wahrscheinlich schneit.

Mein aktueller Standort: Screenshot aus www.gpsies.com
Mein aktueller Standort: Screenshot aus www.gpsies.com

Inzwischen bin ich Profi in Sachen Iran-Visa und weiss, dass ich die Referenznummer problemlos von unterwegs hätte beantragen können, etwa via www.caravanistan.com für 33 Euro. Zudem hat der Iran in jeder türkischen Provinzhauptstadt ein Konsulat. Alle Radreisenden, die ich unterwegs getroffen habe und die ebenfalls durch den Iran wollen, haben ihr Visum unterwegs beantragt und alle hatten sie weniger Stress damit, als ich. Und nicht zuletzt: Sie haben rund 250 Franken weniger ausgegeben als ich.

Der Kunde ist immer am kürzeren Hebel

Nach einem gehässigen Mail erstattet mir die Agentur nun 50 Franken zurück. Mehr gibt es nicht mit der Begründung: «In unserem Geschäft gibt es keine Garantie für die Ausstellung eines Visums. Der Entscheid ob, wann und für welchen Zeitraum ein Visum genehmigt wird liegt einzig und allein beim zuständigen Konsulat.»

Ein Tropfen auf den heissen Stein, wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld ich mit der Aktion verloren habe. Darum kann ich nur eines raten: Holt eure Visa ohne Agentur ein. Informiert euch über das Prozedere bei anderen Reisenden, auf Reiseforen im Netz oder direkt bei der Botschaft. Das kostet etwas Zeit, aber die Investition lohnt sich – nicht nur fürs Portemonnaie, sondern auch fürs Nervenkostüm.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. Das tönt und liest sich ja schlicht unvorstellbar! Ich bewundere Dich, dass Du eine solche Reise machst und uns engstirnige CH-Menschen laufend informierst. Wir haben das in unserem so wohl-strukturierten Alltag dringend nötig. Martin wird mir ja dann auch viel erzählen, wenn er auf Anfang November zurück ist. Und Dich lerne ich hoffentlich auch mal kennen. Das Jahr 2018 hat mich auch ein wenig beschäftigt … mit dem Palästinensisch-Arabisch / Berndeutschen Buch und mit dem Anlass gegen die Todesstrafe in den USA am kommenden MI. Herzliche Grüsse und immer „gut Rad!“ Sophia

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